5. Mai - Kol 1, 1-14

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Kommentare: 2
  • #1

    William MacDonald (Donnerstag, 05 Mai 2016 06:59)

    1,1
    Zur Zeit, als das NT geschrieben wurde, war es üblich, einen Brief mit dem Namen des Schreibers zu beginnen. Deshalb stellt »Paulus« sich hier als »Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen« vor. Ein »Apostel« war jemand, der vom Herrn Jesus besonders als Bote gesandt worden war. Damit die Apostel die Botschaft, die sie predigten, beglaubigen konnten, wurde ihnen die Kraft gegeben, Wunder zu vollbringen (2. Kor 12,12). Zusätzlich lesen wir, daß in bestimmten Fällen der Heilige Geist gegeben wurde, wenn die Apostel Gläubigen die Hände auflegten (Apg 8,15-20; 19,6). Es gibt heute im engeren Sinne des Wortes keine Apostel mehr auf dieser Welt, und es ist Unsinn, wenn Menschen behaupten, daß sie Nachfolger der Zwölf seien. Viele werten Epheser 2,20 als Hinweis, daß die Arbeit derer, die die besondere Gabe des Apostels und Propheten hatten, in der Hauptsache Gemeindegründung war, im Gegensatz zum Dienst von Evangelisten, Hirten und Lehrern (Eph 4,11), die es im gesamten Zeitalter der Gemeinde gibt. Paulus führt seine Apostelschaft auf »Gottes Willen« zurück (s. a. Apg 9,15; Gal 1,1). Es war keine Beschäftigung, die er sich selbst erwählt hätte oder für die er von Menschen ausgebildet worden wäre. Auch war ihm sein Amt nicht durch menschliche Ordination gegeben. Sein Amt war nicht »von Menschen« (als Ursprung) und auch nicht »durch Menschen « (als Werkzeuge). Er tat seinen ganzen Dienst unter der ernsten Erkenntnis, daß Gott selbst ihn erwählt hatte, ein Apostel zu sein. Als Paulus den Brief schrieb, war »Timotheus, der Bruder« bei ihm. Es ist gut, hier festzuhalten, wie wenig offiziell Paulus den Timotheus hier behandelt. Beide waren Glieder einer gemeinsamen Bruderschaft, und es gab keinen Gedanken an eine Hierarchie von Kirchenoberen mit pompösen Titeln und aufwendigen Gewändern.

  • #2

    William MacDonald (Donnerstag, 05 Mai 2016 07:03)

    1,2
    Der Brief ist an die »heiligen und gläubigen Brüder in Christus zu Kolossä « gerichtet. Hier haben wir zwei der wunderbaren Namen, die im NT allen Christen gegeben werden. »Heilige« sind Menschen, die für Gott aus der Welt ausgesondert sind, und die deshalb ein geheiligtes Leben führen sollten. Der Ausdruck »gläubige Brüder« steht dafür, daß sie durch den Glauben an den Herrn Jesus Kinder eines gemeinsamen Vaters sind; sie sind gläubige Brüder und Schwestern. Christen werden in anderen Abschnitten des NT auch noch Jünger und Gläubige genannt. Die Worte »in Christus« sprechen von ihrer »geistlichen« Stellung. Als sie errettet wurden, hat Gott sie in Christus hineinversetzt, so daß sie »angenommen in dem Geliebten« sind. Seitdem besitzen sie Jesu Leben und sein Wesen. Seitdem sind sie in Gottes Augen nicht mehr Söhne Adams oder unbekehrte Menschen, sondern er sieht sie nun in all dem Wohlgefallen, mit dem er seinen eigenen Sohn ansieht. Der Ausdruck »in Christus « bedeutet mehr Annahme, Nähe und Sicherheit als ein menschlicher Geist verstehen kann. Der geographische Aufenthaltsort der Gläubigen wird durch den Ausdruck »zu Kolossä« beschrieben. Es ist zu bezweifeln, ob wir je von dieser Stadt gehört hätten, wenn dort nicht das Evangelium gepredigt und Menschen errettet worden wären. Paulus entbietet nun den Heiligen diesen wunderschönen Gruß: »Gnade euch und Friede von Gott, unserem Vater!« Keine Worte könnten besser die Segnungen des Christentums zusammenfassen als »Gnade und Friede«. »Gnade« war ein üblicher griechischer Gruß, während »Friede« der jüdische Gruß war. Diese Worte wurden gesagt, wenn man sich traf, und wenn man wieder auseinander ging. Paulus nahm beide zusammen und adelte ihre Bedeutung und ihre Verwendung. »Gnade« zeigt uns Gott, wie er sich zur sündigen, verlorenen Menschheit in Liebe und zartem Mitgefühl hinabbeugt. »Friede« faßt alle Folgen zusammen, die es hat, wenn ein Mensch Gottes Gnade als Geschenk annimmt. R. J. Little sagt: »Gnade kann vieles bedeuten, sie ist wie ein Blankoscheck. Friede ist ausdrücklich ein Teil des christlichen Erbes, und deshalb sollten wir Satan nicht gestatten, ihn uns zu rauben.« Auch die Reihenfolge der Worte ist von Bedeutung: erst kommt die »Gnade«, dann der »Friede«. Wenn Gott nicht als erster in Liebe und Barmherzigkeit an uns gehandelt hätte, dann wären wir noch immer in unseren Sünden. Doch weil er die Initiative ergriffen hat und seinen Sohn sandte, damit er für uns starb, können wir nun Frieden mit Gott und mit den Menschen haben, und wir tragen den Frieden Gottes in unseren Herzen. Auch wenn man all dies gesagt hat, muß man doch vor der Aufgabe verzweifeln, solche herrlichen Worte wie diese zu definieren.