22. März - Mk 14, 53-65

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Kommentare: 2
  • #1

    William MacDonald (Montag, 21 März 2016 22:49)

    Jesus vor dem Hohenpriester (14,53.54)

    Der Bericht der religiösen Gerichtsverhandlung erstreckt sich von Vers 53 bis Kapitel 15,1 und ist dreigeteilt:
    1. Verhandlung vor dem Hohenpriester (V. 53.54),
    2. mitternächtliche Versammlung des Hohen Rats (V. 55-65),
    3. morgendliche Versammlung des Hohen Rats (Kap. 15,1).
    14,53 Die Ausleger sind sich weitgehend einig, dass Markus hier von der Verhandlung vor Kaiphas berichtet. Die Verhandlung vor Hannas finden wir in Johannes 18,13.19-24.
    14,54 »Petrus folgte« dem Herrn Jesus »bis hinein in den Hof des Hohenpriesters«, und zwar, wie er dachte, in sicherer Entfernung. Jemand hat seinen Fall einmal wie folgt nachgezeichnet:
    1. Er kämpfte – fehlgeleitete Begeisterung;
    2. Er floh – feiger Rückzug;
    3. Er folgte aus der Entfernung – halbherzige Jüngerschaft bei Nacht.
    »Er saß mit bei den Dienern« und wärmte sich gemeinsam mit den Feinden des Herrn am Feuer.

    Jesus vor dem Hohen Rat (14,55-65)

    14,55-59 Obwohl es hier nicht ausdrücklich erwähnt wird, scheint in Vers 55 der Bericht über die mitternächtliche Versammlung des Hohen Rats vorzuliegen. Die 71 religiösen Führer hatten den Hohenpriester zum Vorsitzenden. In dieser besonderen Nacht missachteten die Pharisäer, Sadduzäer, Schriftgelehrten und Ältesten, aus denen sich der Hohe Rat zusammensetzte, die Regeln, die für ihren Dienst galten, aufs Äußerste. Sie durften sich nicht nachts oder während eines jüdischen Festes versammeln. Sie durften natürlich ebenfalls keine Zeugen bestechen, damit diese einen Meineid leisteten. Ein Todesurteil durfte nicht vollstreckt werden, ehe nicht eine weitere Nacht nach dem Urteilsspruch vergangen war. Wenn sie sich nicht in der Halle aus gehauenem Stein im Tempelbezirk versammelten, war ihr Urteil nicht bindend.
    Im Bestreben, den Herrn Jesus aus dem Weg zu räumen, zögerte die öffentliche Gewalt nicht, ihre eigenen Gesetze zu brechen. Ihre energischen Bemühungen förderten eine Gruppe falscher Zeugen zutage, doch diese konnten keine übereinstimmende Zeugenaussage machen. Einige zitierten den Herrn falsch, indem sie behaupteten, der Herr habe gedroht, den Tempel, »der mit Händen gemacht ist«, abzubrechen, »und in drei Tagen … einen anderen« aufzubauen, »der nicht mit Händen gemacht ist«. Was Jesus wirklich gesagt hat, steht in Johannes 2,19. Die Zeugen verwechselten absichtlich den Tempel in Jerusalem mit dem Tempel seines Leibes.
    14,60-62 Als der Hohepriester Jesus befragte, antwortete er zunächst nicht. Als er jedoch unter Eid (Matth 26,63) gefragt wurde, ob er der Messias sei, »der Sohn des Hochgelobten«, antwortete der Herr, dass er es sei. Er handelte damit im Gehorsam gegenüber 3. Mose 5,1. Um dann jeden Zweifel auszuräumen, welchen Anspruch er stellte, sagte er dem Hohenpriester, dass er »den Sohn des Menschen sitzen … zur Rechten der Macht und kommen mit den Wolken des Himmels« sehen werde. Damit meinte er, dass der Hohepriester ihn öffentlich als Gott eingesetzt sehen werde. Während seiner Zeit auf Erden war die Göttlichkeit Jesu in einem menschlichen Körper verborgen. Aber wenn er in Macht und großer Herrlichkeit wiederkehren wird, dann wird der Schleier weggenommen, und jeder wird genau wissen, wer er ist.
    14,63.64 Der Hohepriester verstand genau, was Jesus meinte. Er »zerriss seine Kleider« zum Zeichen seiner Entrüstung, die berechtigt gewesen wäre, wenn es sich um eine Gotteslästerung gehandelt hätte. Der Israelit, der der Erste hätte sein sollen, den Messias zu erkennen und anzunehmen, schrie am lautesten bei seiner Verurteilung. Aber nicht er allein, sondern die Mitglieder des gesamten Hohen Rates20 waren sich einig, dass Jesus Gott gelästert hatte, und sie »verurteilten ihn …, dass er des Todes schuldig sei«.
    14,65 Die nun folgende Szene war außerordentlich grotesk. Einige Mitglieder des Hohen Rats fingen an, den Sohn Gottes anzuspeien, ihm die Augen zu verbinden und ihn herauszufordern, ihnen die Namen seiner Peiniger zu nennen. Es ist fast unglaublich, dass der hochgepriesene Retter solch einen Widerspruch der Sünder gegen sich selbst erdulden musste. Die Diener (die Tempelpolizei) beteiligten sich an dem Skandal, indem sie ihn ins Gesicht schlugen.

  • #2

    Jonas (Dienstag, 22 März 2016 10:30)

    Hallo ihr Lieben.

    Ich denke MacDonalds Kommentar ist sehr hilfreich. Ein Gedanke noch dazu: Der Hohepriester fragt Jesus, ob er der Messias ist. Dieser bejaht das. Was wäre wohl die richtige Reaktion des Hohenpriesters auf diese Antwort Jesu gewesen?