11. Februar - Mk 8, 27-30

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Kommentare: 1
  • #1

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Donnerstag, 11 Februar 2016 08:20)

    Hallo Geschwister,

    nun möchte ich auf die gestern aufgeworfene Frage eingehen. Hier nochmal die Fragestellung: Es wirkt seltsam, dass Jesus den Blinden im gestrigen Textabschnitt schrittweise sehend macht. Darin muss also eine Botschaft für den Leser liegen. Welche?

    Die schrittweise Heilung des Blinden veranschaulicht den geistlichen Vorgang der Jünger zwischen den Berichten aus 8,14-21 und 8,27-30 (also dem unmittelbaren Kontext). In V. 18 muss Jesus den Jüngern noch vorwerfen, dass sie Augen haben und doch nicht sehen. In V. 22ff. macht er einen Blinden sehend. In V. 29 hat Petrus solche Klarsicht, dass er zu dem wunderbaren und längst überfälligen Bekenntnis kommt: "Du bist der Christus". 'Endlich' möchte man da ausrufen. Endlich sehen die Jünger klar und können es auch so klar formulieren. Vorher haben sie es wohl schon teilweise erfasst, so wie der Blinde in der ersten Stufe der Heilung schon ein wenig aber immer noch unscharf sehen konnte (V. 24). Nun aber sehen sie Jesus "deutlich" als den, der er ist - Christus (das griechische Wort für Messias, wörtl. "der Gesalbte") - sowie der Blinde nun "jedermann deutlich" (V. 25) sah.

    Zur Methodik:
    Wir sehen, dass Markus wie auch die anderen Evangelisten ihre Berichte häufig planvoll und nach einer Programmatik angelegt haben. Das Verständnis dieser Berichte hängt also meistens von einer gründlichen Erforschung des Kontextes ab. Sicherlich ist es hilfreich, hier und da Konzepte und externe Gedanken an den Text ranzutragen, doch die Hauptarbeit besteht im gründichen Lesen. Es ist nämlich zu Bedenken: Die Evangelisten schrieben ihre Evangelien als eigenständige abgeschlossene Berichte. Sie wussten noch nicht, dass es mal zur Zusammensetzung des Kanons kommen würde und damit zu einem kanonübergreifenden Bibelstudium, so wie wir es heute betreiben. Das Verständnis einzelner Texte muss also schon alleine durch das Studium des jeweiligen Evangeliums als isoliertes möglich sein. Für die Briefe des NTs gilt änliches, aber bei gleichen Autoren (Paulus, Petrus usw.) können Briefe natürlich verglichen und nebeneinander gelesen werden. Gerade Wortstudien bieten sich hier an, um zu erkennen, wie bestimmte Autoren gewisse Begriffe an anderen Stellen und in anderen Briefen verwendet haben.

    Eine Frage an euch:
    Wie können wir nun den oben erarbeiteten Gedanken anwenden? Was bedeutet das für uns?