3. Februar - Mk 7, 9-13

Kommentar schreiben

Kommentare: 7
  • #1

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Mittwoch, 03 Februar 2016 10:24)

    Hallo Geschwister,

    gestern habe ich eine Frage aufgeworfen, die ich gerne hier aufnehmen würde: Welche Traditionen seht ihr, wo wir in der Gefahr stehen, in einen Ritualismus zu verfallen statt mit dem Herzen Gott nah zu sein?

    Gerne könnt ihr meinen Beitrag von gestern nochmal nachlesen. Und dann können wir gemeinsam überlegen, wo wir möglicherweise Gottes Gebote mit unseren Traditionen aufheben oder wo wir zumindest dazu neigen.

  • #2

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Mittwoch, 03 Februar 2016 10:29)

    Übrigens, gestern im Hauskreis kamen einige Fragen zu gewissen Gewohnheiten aus dem Gemeindeleben auf (z.B. das Aufstehen und Hinsetzen bei gewissen "Akten" wie dem Gebet oder der Bibellese). Bitte bringt diese Fragen hier ein und lasst sie uns gemeinsam durchdenken.

  • #3

    Marcus (CINF/BBG) (Mittwoch, 03 Februar 2016 16:10)

    Hallo,
    sehr interessantes Thema. Mir fallen dazu folgende Dinge ein.

    Thema Ehe:
    - die Tradition (zumindest so wie ich sie kennengelernt habe) besagt, dass man im Prinzip erst mit der kirchlichen Hochzeit "so richtig" verheiratet ist. Die standesamtliche "muss ja sein". Und dies implizierte für mich bis vor kurzem, dass die meisten Elemente einer Ehe (Zusammenleben, miteinander schlafen usw.) erst nach der kirchlichen Hochzeit stattfinden dürften und wurde meistens "aus Sicherheitsgründen" auch so gelebt. Vor einiger Zeit unterhielt ich mich mit einem Freund darüber, dass es in der Bibel dafür keine direkten Belege gibt, eher im Gegenteil, da Gott ja den Staat eingesetzt hat, ist somit der Ehebund bei der standesamtlichen Trauung schon vollzogen und sollte auch vor Gott gültig sein. Es braucht theoretisch nicht noch eine kirchliche Hochzeit obendrauf. Hier wäre eine Frage: Wäre umgedreht, nur die kirchliche Hochzeit vor Gott gültig?

    Man könnte sich natürlich an jüdischen Traditionen orientieren, jedoch stellt sich für uns heutzutage die Frage, ob das im Detail Bedeutung hat, u. a. weil es auch Traditionen sind.

    So viel von mir. Bin gespannt, was ihr für Antworten habt.

  • #4

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Mittwoch, 03 Februar 2016 18:09)

    Spannende Frage! Was denkt ihr dazu?
    (Ich bin noch in der Uni und kann jetzt noch nicht antworten)

  • #5

    Marcus & Antonie (CINF & BBG) (Mittwoch, 03 Februar 2016 20:36)

    Weitere Themen:
    - Abendmahl: zeitgleiches Einnehmen der ungesäuerten Brote und des Traubensaftes; Traubensaft anstatt Wein; nur die 'Ältesten' dürfen Abendmahl austeilen; Teilnahme erst ab einem bestimmten Alter (z. B.: ab 14 Jahre oder erst nach der Konfirmation)

  • #6

    Marcus & Antonie (CINF & BBG) (Mittwoch, 03 Februar 2016 20:39)

    oder:
    - Sitzordnung in der Gemeinde (Männer und Frauen getrennt)
    - Kopftuchtragen bei (verheirateten) Frauen

  • #7

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Mittwoch, 03 Februar 2016 23:51)

    Da habt ihr ja einige Themen auf den Tisch geholt. Ich greife mal das erste Thema auf und hoffe, dass sich noch einige zu den anderen Fragen äußern.

    Zur Eheschließung
    Wenn man im christlichen Kontext aufwächst, kann man leicht dem Eindruck erliegen, dass die offizielle Eheschließung in der Kirche/Gemeinde geschieht. Tatsächlich gilt vor dem Gesetzgeber aber die sog. Zivilehe, die auf dem Standesamt geschlossen wird. Seit dem Kulturkampf 1875 unter Bismarck obliegt die Eheschließung dem Staat und nicht mehr der Kirche. Die Ehe ist im § 6 GG verankert und setzt die Zivilehe voraus. Seit dem 1. Januar 2009 ist es jedoch möglich, die kirchliche Trauung der standesamtlichen vorzuziehen. Gesetzlich gilt diese Verbindung dann als nichteheliche Gemeinschaft und steht der Zivilehe rechtlich in vielen Punkten nach. Auch ist im kirchlichen Kontext zwischen einer Trauung und einer Segnung zu unterscheiden.
    Unabhängig davon, wie man die gesetzlichen Bestimmungen und die Loslösung der Eheschließung von der Kirche persönlich bewerten mag, gilt hier der im NT geforderte Gehorsam gegenüber dem Staat (Röm 13,1ff.; 1Petr 2,13f.).
    Das bedeutet für uns, dass die Ehe offiziell mit der standesamtlichen Trauung beginnt. Ein eheliches Zusammenleben ist ab diesem Zeitpunkt legitim. Vorher ist es aus christlicher Sicht als Unzucht zu betrachten.
    Ich halte die kirchliche "Trauung" dennoch für eine gute Tradition, weil hier - im Gegensatz zum Standesamt - die Ehe als Institution Gottes betont und sie christlich begangen werden kann. Viele Brautpaare legen deswegen die Termine für standesamtliche Eheschließung und kirchliche "Trauung" möglichst nah zusammen oder sogar auf denselben Tag. Ehepaare, die nur standesamtlich geheiratet und auf die kirchliche "Trauung" verzichtet haben, sind nicht als "unzüchtig" zu verurteilen.

    Interessantes Detail: In Israel gibt es keine Zivilehe. Dort werden Ehen von religiösen Instanzen geschlossen. Deswegen sind interreligiöse Ehen i.d.R. nicht möglich, d.h. Juden können nur untereinander heiraten, Christen nur untereinander usw.