1. Februar - Mk 6, 53-56

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Kommentare: 4
  • #1

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Montag, 01 Februar 2016 11:38)

    Hallo Geschwister,

    das Schwarzbrot-Buch wift heute eine spannende Frage auf: Weshalb sind gerade Krankheit und Not oft Ausgangspunkte für das Fragen nach Gott?

    Was meint ihr, wieso "funktioniert" der Mensch so? Wie habt ihr es bei euch oder bei anderen erlebt?

  • #2

    Jonas (Montag, 01 Februar 2016 22:17)

    Zur Frage:
    Solange man keinen Mangel empfindet und das (scheinbar) nötigste im Leben hat und gelingt, gibt es keine Notwendigkeit über Gott nachzudenken. Der Mensch ist von Natur aus auf sich selbst zentriert. Er will sein Leben selbst gestalten nach seinen Vorstellungen. Da passt ein Gott, der seinen Anspruch erhebt, souveränen Zugriff auf des Menschen leben zu haben, nicht rein. Man will frei sein.
    Wenn Not und Krankheit einen plötzlich ereilen, mag man doch sogar am besten sofort Hilfe haben. Denn man merkt plötzlich dass die Souveränität über das eigene Leben plötzlich ganz klein geworden ist. Nun merkt man dass man nur begrenzt die Macht über sein eigenes Leben hat. In der Situation von Leid und Krankheit will man plötzlich nicht mehr auf sich selbst blicken, was man sonst ach so stolz getan hat. Nun o Wunder, blickt man plötzlich über den Tellerrand hinaus und hofft plötzlich klein laut, dass es da doch bitte einen Gott gibt. Und wenn es ihn gibt, dann muss der mir doch helfen können. Und über so manch einen erbarmt sich Gott dann wirklich in seiner souveränen Gnade und Barmherzigkeit so ganz unverdient. Denn was könnte der Mensch sich denn schon rühmen?

  • #3

    Marcus (CINF & Bibelbaptisten) (Montag, 01 Februar 2016 23:43)

    Bruder Jones hat es schon sehr treffend formuliert, was den Menschen dazu bringt. Wir denken so hochmütig, schon geht es mir besser, vergesse ich Gott schnell wieder oder zumindest verschieben sich die Prioritäten wieder. Wir können unserem Leben keine Spanne hinzufügen, alles was wir sind verdanken wir ihm und auch das was uns umgibt (materielle Dinge, Menschen, ...) hat er uns geschenkt bzw. zur Verfügung gestellt. Wie oft vergesse ich das, v. a. in solchen Situationen in denen mir Dinge/Fähigkeiten usw. mal genommen werden und ich hilflos vor Situationen stehe, oder es passieren unvorhergesehen Sachen. Ich habe es nicht in der Hand, auch wenn ich das manchmal denke.

    Ich wünsche euch eine gute Nacht!

  • #4

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Dienstag, 02 Februar 2016 09:09)

    Danke für eure Ausführungen, Brüder! Ich denke, ich habt den Hauptgrund getroffen, warum Menschen sich oft erst in der Not zu Gott wenden. Hierin sehe ich auch eine Teilantwort auf die Frage, warum Gott Leid und Not in der Welt zulässt bzw. ist das die seelsorgerliche Antwort (es gibt auch hilfreiche Überlegungen auf der Metaebene; schlussendlich kann das Leid in der Welt in Verbindung mit einem liebenden und allmächtigen Gott aber wohl nicht abschließend erklärt werden). Aber seelsorgerlich gesprochen, haben wir Christen die Hoffnung, dass Gott das Leid in diesem Leben - obwohl es an sich negativ ist - für etwas Positives gebrauchen kann. Viele Menschen hätten wohl nie zum Glauben an Jesus Christus gefunden, wenn es nicht einen Schicksalsschlag o.Ä. in ihrem Leben gegeben hätte. Viele geistlich-charakterliche Lektionen hätten wir verpasst, wenn es nicht auch mal dunkle Täler gäbe, die wir durchschreiten mussten. Es gehört zu Gottes fast schon geheimnisvoller Weisheit, "alle Dinge zum Besten dienen" (Röm 8,28) zu lassen. Übrigens, dieser häufig zitierte Vers wird meistens aus seinem Kontext gerissen und dadurch missverständlich. Häufig wird das "Beste" mit menschlichen Vorstellungen und persönlichen Vorlieben gefüllt. V. 29 macht aber deutlich, was aus Gottes Perspektive das Beste für seine Kinder ist: die Transformation in das Ebenbild Jesu Christi. Das eröffnet eine ganz neue Dimension, auf Leid in unserem Leben zu blicken. Plötzlich wird jede schwierige Situation zu einer Chance, Jesus ähnlicher und im Charakter verändert zu werden. Anstrengende Menschen und schwierige Umstände werden zum "Schleifstein meiner Heiligkeit". Erst in diesem Sinne konnten Christen Gott auch für Schweres in ihrem Leben danken, hat es sie doch gott-ähnlicher gemacht. Wohlgemerkt: Dadurch wird Leid nicht positiv (in der Ewigkeit wird es abgeschafft sein), aber selbst das kann Gott benutzen, um mit uns an sein Ziel zu kommen. Das ist nun wirklich eine neue Perspektive auf das Leid.

    Ein empfehlenswertes Video von Michael Kotsch mit anregenden Impulsen dazu:
    https://www.youtube.com/watch?v=9_ZPlH1x1Q0