21. Januar - Mk 4, 26-29

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Kommentare: 7
  • #1

    Marcus (CINF & Bibelbaptisten) (Donnerstag, 21 Januar 2016 08:57)

    Morjn,

    ich finde diese Gleichnis heute etwas schwierig. Es ist ein ähnliches Thema wie im Gleichnis V. 13-20, jedoch hier bezogen auf den 4. Fall (das gute Erdreich) - wenn die Saat auf guten Boden fällt und Frucht bringt.
    Jedoch: was war die Aussage für seine Zuhörer damals und uns heute?

    Mir fällt dazu ein: manches Mal sieht man Auswirkungen des Wortes Gottes, im eigenen und im Leben anderer, erst gar nicht, die Saat geht erst später auf. Gott sagt, dass sein Wort nicht leer zurück kommt, manches braucht seine Zeit zum Wachsen und Reifen.
    Deshalb sollten wir nicht entmutigt werden, wenn durch die Arbeit mit und am Wort kurzfristig nichts zu sehen ist. Manchmal fährt auch erst die nächste Generation die Ernte ein, die die jetzige gesät hat.

  • #2

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Donnerstag, 21 Januar 2016 09:39)

    Hallo Geschwister,

    Marcus hat schon gute und hilfreiche Gedanken zum heutigen Gleichnis geäußert, v.a. in seiner Anwendung. Ich möchte nun nachfolgend meine Vorgehensweise bei diesem Gleichnis darlegen und versuchen, seine Frage zu beantworten:

    Auch bei diesem Gleichnis schlage ich wieder vor, zuerst die Hauptaussage/Kernaussage zu formulieren. Sie wird helfen, das Gleichnis besser einordnen und verstehen zu können. Hier ist mein Vorschlag:
    Gottes Wort, nachdem es verkündigt worden ist, entfaltet eine selbstständige Wirkung, die unabhängig vom menschlichen Hinzutun ist.

    Jetzt können wir dieses Gleichnis in seinen historischen Kontext einordnen: Jesus predigte das Evangelium vom Reich Gottes. Im Gleichnis vom "Vierfachen Ackerboden" (V. 3-9) wurde dabei deutlich, wie unterschiedlich dieses Evangelium aufgenommen werden konnte. Überall da aber, wo es aufgenommen und fruchtbar wurde, entfaltete es sein Potenzial - selbstständig, anfänglich unsichtbar und gewissermaßen langsam (wie eine Ähre beim Wachstum eben). So würde Gottes Reich in den Herzen der Menschen wachsen, bis es sichtbare äußere Formen annehmen würde ("Ernte" V. 29).

    Nun zur Anwendung: Wir predigen heute zwar nicht mehr das Evangelium vom Reich, wie es Jesus tat, aber auch wir predigen ein gottgegebenes Evangelium - das vom Tod und Auferstehung Jesu zur Vergebung der Sünden. Auch heute dürfen wir darauf vertrauen, dass dieses Evangelium von Jesus Christus eine selbstständige Wirkung in den Herzen der hörenden Menschen entfaltet.
    Ich empfinde mit diesem Gleichnis eine Entlastung in der Evangelisation. Unsere Aufgabe ist es lediglich, das Evangelium zu verkündigen - oder um es in nachösterlichen Worten auszudrücken: Christus zu bezeugen (Apg 1,8). Für die Wirkung wird Gott sorgen; das ist nicht mehr meine Leistung. Ich kann also ganz "entspannt" das Evangelium mitteilen, "schlafen und aufstehen, Nacht und Tag" (V. 27) und werde eines Tages feststellen, dass ganz selbstständig etwas herangewachsen und entstanden ist, denn "die Erde trägt von selbst Frucht" (V. 28). Das nimmt jeden falschen Druck aus der Sache und ich kann ganz ungezwungen Jesus Christus bezeugen.
    Paulus greift dieses Bild später auf und führt noch zusätzlich eine Arbeitsteilung ein (1Kor 3,6f.). Und auch die von Marcus bereits angeführte Zusage aus Jes 55,10f. ist sehr ermutigend in diesem Zusammenhang.
    Einen ermahnenden Aspekt beinhalten diese Verse dennoch: Sie gehen alle davon aus, dass wir Gottes Wort weitergeben. Der oben ausgeführte tröstliche Gedanke gilt also nur denen, die auch dem Auftrag der Verkündigung nachkommen.

  • #3

    Jonas (Donnerstag, 21 Januar 2016 10:02)

    Ich habe zu gestern noch einen Beitrag verfasst zum Thema "Wer hat, dem wird gegeben"

  • #4

    Jonas (Donnerstag, 21 Januar 2016 10:17)

    Danke Artur! Ich war heute morgen mal wieder entmutigt, als ich im Gespräch mit meinem Herrn war, da ich momentan wenig evangelistisch weitergebe. Diese Botschaft heute nimmt uns echt den Druck und ermutigt uns zugleich "Zeugen Jesu Christi" zu sein. Möge er uns mit Dankbarkeit, Zufriedenheit und Freude erfüllen, auf das unsere Freude für andere, die uns im Alltag begegnen, als übernatürlich spürbar wird und sie ins Nachdenken und Nachfragen kommen und wir dann gelöst Antwort geben können! Preist den HERRN!

  • #5

    Andrea (CINF-Hauskreis Fürth) (Donnerstag, 21 Januar 2016 12:53)

    Hallo ihr Lieben,

    auch ich finde diese Botschaft sehr schön und muss sie mir gewiss immer wieder vor Augen führen, da ich dazu neige, Anstehendes/Probleme durch eigene Anstrengungen schnellstmöglich und gut erledigen zu wollen. Hier aber kann der Säende nach getaner Arbeit ruhen, er lebt voller Gelassenheit und in Frieden, nicht unter dem Druck, ständig kontrollieren oder eingreifen zu müssen. Er weiß, dass er das seinige getan hat, denn das Wesentliche geschieht durch den Herrn. Also ist eigentlich das Entscheidende, dass ich mich in seinem wunderbaren Licht der Liebe und Gnade (2Kor 12,9) bewege - als sein Kind und mit einer lebendigen Hoffnung - und mich dabei von seinem Geist leiten lasse. Dann bin ich die Empfangende, an seiner Quelle lebendigen Wassers und kann so wunderbar gestärkt, ohne Stress, aber mit Hingabe für IHN unterwegs sein. ... Schön ;)
    Vielleicht kann mir aber noch jemand mit dem Vers 29 helfen. Hier kommt nach der Ruhe mit dem Wort "sogleich" bei der Ernte durch den Sämann Eile rein und mir geht es da wie Marcus mit seinem Gedanken, dass wir meist gar nicht das Aufgehen der Frucht erfahren. Liegt hier noch eine für mich verborgene Botschaft drin?

  • #6

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Donnerstag, 21 Januar 2016 21:05)

    Danke für eure guten Gedanken! Kurz zur Frage von Andrea:

    V. 29 macht deutlich, dass es auch eine Zeit der Ernte gibt. Und wenn es soweit ist, wird die Ernte auch eingefahren. Das geschieht dann recht zügig, weil überreifende Frucht ja bekanntlich verdirbt. Soweit das Bild.
    Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel in den Text hineinlesen, aber man kann schon sagen, dass der säende Christ die Frucht häufig mitbekommt. Manchmal auch nicht, wie Marcus und Andrea zurecht angemerkt haben. Als geistliche Frucht dürfen aber nicht nur Bekehrungen betrachtet werden, sondern jeder Fall, in dem Gottes Wort in irgendeiner Weise in einem Menschen fruchtet - auch bei Christen. So nennt Paulus die Geistwirkungen im Leben von Christen "Frucht des Geistes" (Gal 5,22).
    Es gehört zu den großen Freuden im Gemeindedienst, Auswirkungen des Wortes Gottes im Leben anderer Menschen zu sehen. In gewisser Weise hat man dann Anteil an einer geistlichen Ernte, denn bei positiven Veränderungen im Anderen wird man häufig selbst zum Nutznießer dieser Frucht.

  • #7

    Andrea (CINF-Hauskreis in Fürth) (Donnerstag, 21 Januar 2016 23:28)

    Danke Artur für deine gut nachvollziehbaren Ausführungen, war wieder sehr hilfreich.
    Freue mich, in diesem Blog mit unterwegs sein zu dürfen. Aufgrund der gemeinsamen Bibellese nebst Austausch (incl. Erkenntniszuwachs ;D) ist es für mich eine wertvolle Überbrückung zwischen den Fürther Hauskreis-Terminen ... deshalb ♥lichen Dank an alle und eine gute und gesegnete Nacht ;)