18. Januar - Mk 4, 1-9

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Kommentare: 4
  • #1

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Montag, 18 Januar 2016 08:14)

    Hallo Geschwister,

    wir betrachten heute und die nächsten Tage einige Gleichnisse. Bevor wir das tun, ist der korrekte Umgang mit diesen zu klären. Wie sind Gleichnisse zu behandeln? Was ist zu vermeiden? Wie funktionieren Gleichnisse und entsprechend ihre Auslegung?

    Lasst uns einige Kriterien zusammentragen!

  • #2

    Jonas (Montag, 18 Januar 2016 09:41)

    Noch ein paar Vorbemerkungen:

    1) Markus legt seinen Fokus stark auf Jesu Tätigkeiten. Umso mehr Gewicht hat es dann, wenn Jesus nun Worte/Lehre weitergibt, wie es in diesem Kapitel 4 ist. Für Jesus gilt nicht der Spruch: "Dein Leben schreit so laut, dass ich nicht höre was du sagst!", sondern das Gegenteil ist der Fall: "Dein Lebenswandel ist so beeindruckend, sag mir, was kann ich von dir lernen, was soll ich tun?". Man sehnt sich erwartungsvoll nach weise Worte dieses einzigartigen Mannes. Deswegen verwundert es auch nicht, dass Jesu eine große Zuhörerschaft hatte, als er zu lehren begann (V.1).

    2) Jesus wählt eine hervorragende Methode, um geistliche Wahrheiten zu vermitteln: Er erzählt Gleichnisse, in denen er Beispiele verwendet, die direkt aus dem Lebensumfeld seiner Hörer stammen, sodass jeder einfache (vielleicht auch ungebildete) Mann seine Botschaft verstand.
    Der Duden beschreibt Gleichnis sehr treffend: Ein Gleichnis ist eine "kurze bildhafte Erzählung, die einen abstrakten Gedanken oder Vorgang durch Vergleich mit einer anschaulichen, konkreten Handlung [mit belehrender Absicht] verständlich machen will".

    3) Ohne auf die genaue Bedeutung des Gleichnisses einzugehen (was wir wohl morgen machen werden), möchte ich ein paar Anwendungsfragen für dich und mich formulieren, angelehnt an die Frage aus dem Schwarzbrot:

    Gab es oder gibt es Bereiche in deinem Leben,
    1. wo das Wort Gottes direkt wieder von dir abprallt, weil du es gar nicht wirken lassen möchtest?
    2. wo du das Wort Gottes sogleich zu Herzen genommen hast, aber am nächsten oder nach den nächsten Tagen
    sofort wieder vergessen hast und nicht dran geblieben bist?
    3. wo du das Wort Gottes in dir eine Zeit lang hast wirken lassen, doch dann hast du nachgeben, weil dich
    Alltagssorgen vereinnahmt haben?
    4. wo du das Wort Gottes zu Herzen genommen hast und es in dir zur Entfaltung kommt, es dich verändert und es
    dementsprechend beständig gute, gottgewollte Gedanken, Worte, Taten hervorbringt?

  • #3

    Marcus (CINF & Bibelbaptisten) (Montag, 18 Januar 2016 10:19)

    Morjen!

    Zu allen Punkten kann ich nicht Stellung beziehen, jedoch zu den Gleichnissen:
    - sie sind eine typische jüdische Methode zur Lehre
    - man sollte immer den Kontext beachten, in welchem ein Gleichnis erzählt wird, zu wem es erzählt wird, usw.
    - zudem sollten wir nie vergessen, die Sukzession der biblische Offenbarung mit einzubeziehen, bzw. der Zeitalter (wir befinden uns zwar im neuen Testament, aber wie im hauskreis schon angesprochen, lehrte Jesus hier unter den Juden, nicht den Heiden "Evangelium des Reiches")

    Ich frage mich hier: V. 10-11 beschreibt ja, dass das Gleichnis nur von Leuten verstanden werden kann, die scheinbar keine Nachfolger Jesu sind. Also richtet sich das Gesagte nur an die Nachfolger? Im Zusammenhang mit der ersten Frage aus dem Schwarzbrot frage ich mich, weshalb erzählt er es dann allen die ihn dort zuhörten? Möchte er die Spreu vom Weizen trennen? Sie sollen ja hören (V.9), aber wenn man V. 12 betrachtet, haben viele Menschen dieser Menschenmenge gar nicht (mehr) die Chance zu hören, es ist ihnen verborgen. Für mich ein Rätsel. Wer ist die Gruppe, die "keine Ohren hat"?

    Zu Jonas dritter Frage: Ich kann mich in meinem bisherigen Leben mit allen 4 Punkten identifizieren, je nach Situation. V. a. Punkt 3 begegnet mir häufiger...

  • #4

    Artur Janzen (CINF/BBG) (Montag, 18 Januar 2016 21:49)

    Es wurden schon wichtige Merkmale von Gleichnissen genannt. Ergänzen möchte ich noch folgende zwei:

    a) Gleichnisse zielen zumeist auf einen Hauptgedanken ab (auch Vergleichspunkt, „tertium comperationis“). Man sollte deswegen vorsichtig sein, wenn es um die Deutung von Details geht. Vielmehr geht es um einen Aussagekern.

    b) Die Gleichnisse Jesu beschreiben jeweils "eine Seite der Medaille". Erst in ihrer Gesamtschau ergeben sie ein Gesamtbild (fast immer geht es dabei um das Reich Gottes).

    zu Marcus´ Frage)
    Diese Frage ist spannend. Vielleicht können wir morgen mehr darüber nachdenken, wenn wir uns diese Verse genauer ansehen werden.

    zu Jonas 3)
    Punkt 2 war schon oft der Fall in meinem Leben. Insgesamt ist Vergessen ein Problem des Menschen. Im AT befiehlt Gott deswegen seinem Volk immer wieder, sich an Gottes große Taten (und die damit verbundenen Glaubenslektionen) zu erinnern, z.B. an den Auszug aus Ägypten. Zu diesem Zweck gab er seinem Volk Feste, die als Erinnerungstützen dienen sollten, z.B. das Passahfest zur Erinnerung an den eben genannten Auszug. Auch im NT haben wir solche Erinnerungshilfen. Das Abendmahl ist wohl das zentralste dabei. Auch die Schreiber der neutestamentlichen Briefe erinnerten ihre Adressaten immer wieder an schon Gesagtes und Erlebtes.
    Daher: " Ich gedenke an die längst vergangenen Tage, rufe mir alle deine Taten in Erinnerung und sinne nach über die Werke deiner Hände." Ps 143,5