4. Januar - Markus 1, 21-28

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Kommentare: 10
  • #1

    Artur Janzen (CINF/Diebacherstr.) (Montag, 04 Januar 2016 10:12)

    Hallo Geschwister,

    Im heutigen Text wird eine wesentliche Funktion von Jesu Wundern deutlich. Welche Funktion ist diese?

  • #2

    Jonas (Montag, 04 Januar 2016 11:13)

    Guten Morgen liebe Geschwister,

    "sogleich": Vorkommen nach Schlachter (Elberfelder): Mt 17 (18) , Lk 9 (15), Joh 7 (4)
    -> und in Markus 38 (35)!

    Unser heutiger Text kann mit den drei Vorkommen von "sogleich" zusammengefasst werden:
    1. "Und sogleich ging er am Sabbat in die Synagoge und lehrte",
    2. "Und sogleich war in ihrer Synagoge ein Mensch mit einem unreinen Geist"
    3. "Und die Kunde von ihm ging sogleich hinaus überall in die ganze Umgebung Galiläas."

    Wenn ich eine Überschrift oder einen Schlüsselgedanken formulieren sollte: "Die Vollmacht Jesu"
    Jesus lehrte mit Vollmacht, er handelte in Vollmacht und die Konsequenz ist folglich, dass diese außergewöhnlichen Geschehnisse nicht verborgen blieben, sondern sich wie ein Lauffeuer ausbreiteten!

    Ich möchte euch eine Frage mitgeben: Hast du schon mal eine Predigt gehört, wo du den Eindruck hattest "der hat heute in Vollmacht verkündigt"? Bei manchen war das möglicherweise die Predigt, die zur Bekehrung geführt hat.
    Ich habe mich nicht durch eine "vollmächtige" Predigt bekehrt, aber ich würde sagen, wen ich in meiner Babychristenzeit als sehr vollmächtig predigen empfunden habe, war T.E. Koshy.
    Wen hast du oder empfindest du als vollmächtig? Am besten auch die genaue Predigt und was genau daran hat dich "aus den Socken geworfen"?

    Noch eine Anekdote: Eine der wohl gewaltigsten Predigten, die je gehalten wurde, war die Predigt "Sünder in den Händen eines zornigen Gottes" von Jonathan Edwards (1741). Benedikt Peters geht in seinem Büchlein „Der Geist der Erweckung“ darauf ein. Eines der inspirierendsten Bücher, die ich je gelesen habe (Nur 1,90€, 96 Seiten). Hier ein Auszug dazu: http://www.betanien.de/verlag/material/material.php?id=40
    Hier die komplette Predigt als Skript: http://www.bucer.org/uploads/tx_org/mbstexte074_2.pdf
    Und als Hörbuch: https://www.youtube.com/watch?v=SNEIuCPPxko

    Ich denke es sind v.a. zwei Dinge, die diese Predigt so vollmächtig gemacht hat: Erstens sein Inhalt und zweitens das souveräne Wirken des Heiligen Geistes! Diese Predigt konnte diese Wirkung nur deswegen erzielen, weil Gott es so wollte! Aber Edwards hat auch darum gerungen. Ihm war es ein riesiges Anliegen, dass Sünder überführt und gerettet würden!

    An alle die Gottes Wort in irgendeiner Weise verkündigen: Lasst uns immer wieder darum mit Gott ringen, dass er uns Gnade und Erweckung schenkt, dass wir aufgrund seines Wirkens vollmächtige Verkündiger sein dürfen, zum Segen der Menschen und letztendlich zur Ehre Gottes! Amen

  • #3

    Siggi (Montag, 04 Januar 2016 15:34)

    Woher kommt Vollmacht im Dienst und in der Verkündigung? Ich denke, folgende Bibelstellen könnten zur Beantwortung der Frage aufschlussreich sein: Joh. 3,34; 7,16-18; Röm. 10,15. Inwiefern?

  • #4

    Vitali (Aachen) (Montag, 04 Januar 2016 16:00)

    Hallo,

    i) War lehren in der Synagoge am Sabbat erlaubt? Wie stellt ihr euch das vor? Stand Jesus dann vorne, wie in unseren Kirchen und die Leute hörten da alle zu oder war er irgendwo in der Synagoge und hat mit Leuten diskutiert und die Diskussionsrunde wurde größer und viele standen im Kreis um ihn herum? War der Rabbi der Synagoge, der für die Kapernaum Synagoge zuständig war, auch dabei?

    ii) Ich finde Luk 4,31-37 ist auffallend ähnlich zu diesem Abschnitt. Kaum Abweichungen ...

    iii) Diese Rede: "Lass ab! Was haben wir mit dir zu tun ...". Das hat doch der unreine Geist im Menschen gesagt oder?
    Die Rede ist zwar gotteslästerlich, aber interessant ist, dass die Dämonen über Jesu Gottesgleichheit bescheid wissen. In Schlachter steht: "Der Heilige Gottes!" Das finde ich interessant, dass der Dämon nicht sagt "Sohn Gottes", sondern der Heilige Gottes.

    iv) Glaubt ihr heute gibt es auch dies Form von Dämonen, die ähnlich plastisch in Menschen wirken, dass sie schreien, zerren etc.?
    Das letztes Mal, dass mir im nichtchristlichen Kontext das Wort Dämon begegnet ist, war als Guido Westerwelle über seine Blutkrebskrankheit berichtet hat (Markus Lanz, Günther Jauch) und davon sprach, dass er gegen Dämonen gekämpft hat, damit meinend, dass die bösen Gedanken an das Aufgeben, den Tod etc. wie böse Dämonen im Kopf bei ihm schwieren. Das ist sicherlich nicht so plastisch wie unserer Jesusbericht.

    Viele Grüße

  • #5

    Jonas (Montag, 04 Januar 2016 18:14)

    Wer kann Vitali helfen? Bin mit lernen beschäftigt :(

  • #6

    Artur Janzen (CINF/Diebacherstr.) (Montag, 04 Januar 2016 19:53)

    Hallo Geschwister,

    zu meiner heute morgen gestellten Frage:
    Eine Funktion der Wunder Jesu ist die Bestätigung der Lehre Jesu als glaubwürdig und göttlich (vgl. Mk 2,9-12). Beachte hierzu den Wortgebrauch von "lehren" bzw. "Lehre" in V. 21.22 und V. 27, der wie eine Klammer das Wunderereignis einrahmt. Während sich das Lehrmotiv (V. 21.22) und das Austreibungsmotiv (V. 23-26) anfangs noch klar voneinander trennen lassen, verschmelzen beide Motive in V. 27. In V. 28 ist dann gar nicht mehr so klar, was wohl Inhalt des Gerüchts war: die vollmächtige Lehre oder die vollmächtige Geisteraustreibung - vermutlich eben beides.

    Wort und Tat kommen hier zusammen und verschmelzen zu einer Einheit. Daraus entsteht ein wirkmächtiges Zeugnis. Auch in unserem Leben gilt dieses Prinzip. Das, was wir leben, kann das, was wir sagen, entweder unterstreichen oder durchstreichen.

    Zu Vitalis Fragen:
    Leider habe ich gerade nur begrenzt Zeit. Deswegen möchte ich nur ein paar Hinweise geben.

    zu i)
    Im NT findet sich (meines Wissens nach) keine Situation, in der Jesus oder seine Jünger wegen einer Lehrtätigkeit am Sabbat kritisiert werden. Das schien also kein Problem zu sein.
    Lk 4,16-30 gibt uns einen Eindruck, wie Jesus in Synagogengottesdiensten aufgetreten ist. Sicherlich gab es auch "Diskussionsrunden", die sich spontan ergaben.

    zu ii)
    Es ist gut möglich, dass Lukas hier von Markus abgeschrieben hat und bei Bedarf einige Details verändert hat. Dieses Phänomen tritt häufig bei den sog. Synoptikern Matthäus, Markus und Lukas auf (griechisch "syn-opsis" = "zusammenschauen", zusammenstellen, aneinanderreihen). Das Johannesevangelium fällt aus der Reihe. In der (auch bibeltreuen!)Theologie läuft diese Thematik unter dem Titel "Synoptisches Problem". Hier wird versucht herauszufinden, welches Evangelium das älteste ist und wer bei wem an welcher Stelle abgeschrieben hat. Laut einigen Kirchenvätern soll das Matthäusevangelium das ursprüngliche sein.

    zu iii)
    Ja, der unreine Geist hat diese Worte gesprochen. Interessant ist auch, dass dieser Geist in der Wir-Form redet, also wohl für die Gesamtheit der Dämonen spricht.

    zu iv)
    Ich sehe keinen Grund, dämonische Aktivität, wie sie uns im NT überliefert ist, heute auszuschließen. Ich vermute aber auch, dass sie in unseren Breitengraden eher eingeschränkt zu beobachten ist, weil Religion, Spiritismus u.Ä. aus dem öffentlichen Leben zunehmend verdrängt wurde. Dämonische Belastung ist nämlich durch die freiwillige Öffnung des Menschen bedingt. Aber in gewissen Szenen wie des Okkultismus und der Esoterik treten diese Phänomene auch in Deutschland auf.
    Eine Reduzierung und damit Verharmlosung auf lediglich "negative und schädliche" Gedanken halte ich für problematisch.

  • #7

    Vitali (Aachen) (Montag, 04 Januar 2016 20:02)

    Danke Artur.
    Sehe iv) wie du. Das Beispiel mit Guido Westerwelle sollte lediglich sagen, dass viele christliche Begriffe aus unserem Alltagssprachgebrauch verniedlicht werden. (Bußkatalog, Strassensünde). Klar ist natürlich auch, dass heute auch geistliche Erkrankungen erforscht werden, die so in der Form damals natürlich nicht bekannt waren. Aber ich halte wenig davon christliche Realitäten durch wissenschaftlichen Erkenntnisse zu verneinen.
    iii) Hab ich auch in Schlachterkommentar gelesen ;-)

  • #8

    Stefan (Gemeinde Bob) (Montag, 04 Januar 2016 21:12)

    Zu i)
    zwar nicht in der Synagoge aber im Haus eines obersten Pharisäer (evtl. auch Schriftgelehrter?):
    Lk 14, 1-6

  • #9

    Helmut (Lauf) (Montag, 04 Januar 2016 23:58)

    Jesus wird hier als Heiliger Gottes bezeichnet, weil er für einen speziellen Dienst (auf der Erde) ausgesondert ist.
    So wie die Geräte im Tempel nur zum Dienst an Gott bestimmt sind. Auch die Gläubigen werden als Heilige bezeichnet. Da aber Jesus sündlos ist, war er voll Macht und für die Dämonen unangreifbar.
    Bei uns ist das schon anders.
    Deshalb hat der Teufel den Herrn Jesus in der Wüste und auch Eva im Garten Eden nur über die Versuchung
    erreichen können, weil sie sündlos sind (Jesus) bzw. waren (Eva).
    Eine Synagoge ist eine Schule, siehe Rienecker Bibellexikon.
    Zum Gottesdienst gab es damals den Tempel.

  • #10

    Julia (BBG) (Donnerstag, 07 Januar 2016 20:29)

    @Vitali @Artur
    Während meines Auslandsjahres in Tansania (14/15) habe ich gemerkt, wie präsent die Dämonen in afrikanischen Ländern noch sind. Ich denke, wie Artur auch, dass sie in unseren Breitengraden nicht so verbreitet sind.
    Ich habe davon erfahren, wie Kinder von Dämonen besessen waren. Derzeit ging es der Organisation ziemlich gut, es konnten einige neue Projekte gestartet werden.
    Während dieser guten Phase war der Teufel allerdings stark am Wirken, was zur Folge hatte, das gleichzeitig an verschiedenen Orten Menschen von Dämonen besessen waren.
    Ein Kind zum Beispiel, ca. 8 Jahre alt, schrie sehr laut, sie wusste auch nicht mehr, wer sie war.
    Sie sagte nur mit tiefer Basstimme, dass sie nicht "Bahati" (ihr Name) sei.
    Daher darf man den Fehler nicht machen und diese Macht unterschätzen. Sie ist bei uns zwar nicht häufig präsent, jedoch sollte sie nicht verharmlost werden.